monobloc, the valet










































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vorwort zum katalog monobloc 
 
Stummer Diener 


Ein bißchen wirken sie wie eine Kreuzung aus Bügelbrett, Klappleiter und einem Kleiderbügel. Und auch wenn es noch so viele Versuche gibt, dieses Crossover verschiedenster Funktionsträger in eine halbwegs elegante Form zu kleiden, die Gestelle, die unter dem Begriff Stummer Diener katego-risiert werden, werden wohl nie den Status eines einnehmenden Blickfangs erreichen. 

Es ist aber nicht nur das staksige Design, das sie wie aus der Zeit gefallen erscheinen läßt, es ist vor allem der sich hier widerspiegelnde Bekleidungscodex und die damit verbundene Art und Weise, wie wir mit Hemd, Hose und Jackett umgehen sollten, die diese Stand-by-Garderobe zu einem etwas schrulligen Anachronismus stempelt. Denn längst haben wir uns angewöhnt, unsere T-Shirts, Jeans, Blousons und knitternden Leinenjacketts mehr oder weniger leger irgendwohin zu legen: auf Tische, Bänke, vor allem aber auf immer irgendwo herumstehende Stühle. Diese permanente Umnutzung eines ursprünglich nur zum Sitzen gedachten Möbels nimmt Bert Löschner zum Anlass, die eigentlich relativ statische Konfiguration aufzubrechen und den unterschiedlichsten Gebrauchs- und Sitzformen anzupassen. Und welches Stuhlmodell würde sich für eine solche Anpassungs-Deformation besser eignen als jener MONOBLOC genannte Plastikstuhl, der tatsächlich all überall für alle möglichen Zwecke herhalten muss. 

Dass dem so ist, liegt wohl primär an seinem Preis: Egal, wo: der MONOBLOC kostet selten mehr als um die 10 €. Und auch wenn 10 € nicht überall gleich billig heißt, so sind selbst im Senegal zehn Euro eine erschwingliche, zumindest keine utopisch teure Preiskategorie. Der niedrige Preis ist aber nur die eine Ursache für den unbeschwerten Zugriff auf dieses Möbel. Ein anderer liegt bestimmt in seiner 
devoten Materialität - Polypropylen -, sprich: in seiner im Vergleich etwa zu Holz oder Metall völlig unproblematischen Verformbarkeit. Er ist, wie in Löschners realen und fiktionalen Beispielen zu besichtigen, von einer schier unbegrenzten Dehn- und Biegbarkeit. Nun gehören Attribute, die solch nachgiebige Formen der Anpassungsfähigkeit bezeichnen, nicht unbedingt zu den positiven Charaktereigenschaften unserer Tage. Im Gegenteil: Auf Lebewesen, egal ob auf Mensch oder Tier angewandt, schwingt in solchen Qualifizierungen immer ein leicht abfälliger Unterton mit. Bei Löschners Modellen hingegen käme man nie auf solch negative Assoziationen. Sicher, auch hier passen sich die Stühle bestimmten Erfordernissen an, aber diese Anpassung wirkt niemals aufgesetzt, gezwungen oder gar prätentiös. 

All den hier von Löschner vorgeschlagenen Funktionen wohnt ein „selbstverständliches Selbstverständnis“ inne, das auch dem Grundmodell zu eigen ist. Man könnte auch, ohne in allzu hehren Pathos verfallen zu wollen, von einer gewissen Demut dieses Stuhltyps sprechen, von einer Demut gegenüber alltäglichsten Bedürfnissen. Denn wie kein anderer 
Stuhl versagt sich der MONOBLOC jeder Form eines funktionalen, ästhetischen oder ideologischen Sendungsbewußtseins. Er ist nicht nur Stuhl, sondern er ist Stuhl für jeden und für jede Gelegenheit.


Er ist ein allzeit bereiter stummer Diener. 




Volker Albus